10 Jun

Bevollmächtigung – manchmal eine gute Alternative

Viele der in Berlin untergebrachten minderjährigen Geflüchteten, die unbegleitet eingereist sind, brauchen derzeit einen Vormund. Die Amtsgerichte bestellen in laufenden Verfahren häufig als  Amtsvormund das Jugendamt Steglitz-Zehlendorf. Ehrenamtliche, die Verantwortung für einen jungen Geflüchteten übernehmen möchten, können mit einer Bevollmächtigung sowohl die Jugendämter als auch die Minderjährigen unterstützen.

Bevollmächtigung – gut für Jugendliche mit Amtsvormund

Um einen Asylantrag stellen zu können, benötigen minderjährige Flüchtlinge einen Vormund, der das für sie übernimmt. Ehrenamtliche können die Jugendlichen deshalb mit einer ehrenamtlichen Vormundschaft nachhaltig unterstützen. Ein Vormund kümmert sich darüber hinaus auch um alle anderen Fragen der elterlichen Sorgen wie Bildung oder Gesundheit, obwohl der Jugendliche in der Regel nicht im Haushalt des Vormundes wohnt.
Nicht immer möchten jedoch Ehrenamtliche Vormund werden, auch ist es rechtlich nicht immer möglich. Deshalb ist es gut zu wissen, dass es neben den Vormundschaften auch die Möglichkeit gibt, sich vom Gericht bestellten Amtsvormund – also dem Jugendamt – bevollmächtigen zu lassen, bestimmte Aufgaben zu übernehmen. Die Ehrenamtlichen stellen sich beim Jugendamt vor und übernehmen nach der Bevollmächtigung in Teilen die Aufgaben des Amtsvormundes. Sie begleiten die Jugendlichen vor Stellung des Asylantrags zu Beratungsgespräch und nach Antragsstellung zur Anhörung beim Bundesministerium für Migration und Flüchtlinge. Beratungsgespräche werden unter anderem vom BBZ, KUB und ProAsyl angeboten. Der Amtsvormund kann anschließend den Asylantrag für den Jugendlichen stellen.

Besonders interessant für fast Volljährige

Die Vorgehensweise kann insbesondere bei Jugendlichen, die kurz vor ihrem 18. Geburtstag stehen und einen Asylantrag stellen möchten, sehr hilfreich sein. Ein Vormundschaftsverfahren dauert in der Regel zwischen einem und drei Monaten, eine Bevollmächtigung kann deutlich schneller gehen. Werden die Jugendlichen 18, ohne einen Asylantrag gestellt zu haben, und ohne in der hiesigen Ausländerbehörde registriert zu sein, werden sie mit Volljährigkeit häufig in andere Bundesländer umverteilt. Für Geflüchtete, die nie konkret nach Berlin wollten und direkt nach ihrer Ankunft weiter verteilt werden, ist das angesichts des schwierigen Wohnungsmarktes in der Hauptstadt möglicherweise sogar ein Vorteil. Für Jugendliche, die oft schon sechs bis acht Monate in Berlin leben und gerade anfangen konnten, anzukommen, ist eine solche Verteilung oft schwer zu ertragen. Ein weiteres Mal verlieren sie ihr soziales Umfeld, dem sie gerade vertrauen, und müssen den Asylprozess als Volljährige in einer anderen Stadt von vorne beginnen. Ein, mit Unterstützung eines Bevollmächtigten, rechtzeitig vor dem 18. Geburtstag gestellter Asylantrag kann ein solches Erlebnis für die Jugendlichen verhindern. Zudem haben minderjährige Flüchtlinge das Recht, das Land in dem sie Asyl beantragen wollen, selbst zu wählen und werden nicht nach Dublin II  behandelt – sofern auch der Asylantrag minderjährig gestellt wird.

Für individuelle Tipps zu konkreten Fällen könnt Ihr uns eine E-Mail an info@vormund-werden.de schreiben oder zu einem unserer Infoabende kommen (Termine findet Ihr rechts im Kalender). Für rechtliche Beratungen könnt ihr einen unserer empfohlenen Anwälte anrufen – rechtlich beraten dürfen und können wir nicht.

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