09 Jul

Noch wenige Tage: Schulplätze sichern!

von Dr. Sabine Speiser

An alle, die jugendliche Geflüchtete mit und ohne Eltern begleiten:

Viele junge Geflüchtete haben mit viel Mühe in Willkommensklassen unterschiedlicher Qualität deutsch gelernt im Laufe des jetzt zu Ende gehenden Schuljahres. Aber  nur wenige haben so schnell und gut gelernt, dass sie im neuen Schuljahr tatsächlich eine Berufsausbildung beginnen können und gute Perspektiven hätten die Berufsschule zu schaffen. Leider noch weniger haben die Chance in eine Regelklasse eines Gymnasiums zu wechseln.

Wenn also die Jugendlichen, die ihr begleitet, eine Berufsausbildung anstreben, ist der nächste Schritt ein BQL an einem OSZ (berufsqualifizierender Lehrgang an einem Oberstufenzentrum, http://www.oberstufenzentrum.de/berufsqualifizierender-lehrgang-bql-vz-im-11-schuljahr). Die OSZ richten sich darauf ein, verstärkt DAZ (Deutsch als Zweitsprache) im kommenden Schuljahr anzubieten. Damit könnten geflüchtete Jugendliche unabhängig von ihren schulischen Abschlüssen aus den Herkunftsländern die Voraussetzungen schaffen nach einem weiteren Jahr tatsächlich eine Berufsausbildung zu starten.

Update + Extra Hinweise unterhalb!

Leider sehen die OSZ offenbar kein ausreichendes Angebot an BQL vor, v.a. nicht für bestimmte Fachrichtungen, wie beispielsweise Gesundheit.
Die gute Nachricht ist: Man ist durch die Fachrichtung des BQL nicht gebunden für eine spätere Berufsausbildung. D.h., man kann jetzt BQL beispielsweise in Holzverarbeitung machen und dann doch eine Berufsausbildung als Altenpfleger beginnen, etc.
Aber natürlich ist es motivierender, in der Sparte erste berufliche Erfahrungen zu sammeln, in der man sich eine Berufsausbildung wünscht.

Daher meine dringende Empfehlung an alle, die junge Geflüchtete begleiten, die mindestens A 2 abgeschlossen haben:
Versucht noch vor Ende des laufenden Schuljahres einen Platz in einem BQL für das neue Schuljahr zu finden und „eure Jungs und Mädels“ anzumelden. Unterlagen zur Anmeldung müssten die Schulen, an denen die Geflüchteten Willkommensklassen besuchen, zur Verfügung stellen, die Bewerbung erfolgt elektronisch, ein persönlicher Kontakt mit dem ausgewählten OSZ ist empfehlenswert und nötig. Weitere Hinweise auf https://www.eals-berlin.de/elektronisches-anmelde-und-leitsystem/
Lasst euch nicht abschrecken, die Bewerbungsfrist war im Juni abgelaufen, aber die OSZ, die noch Plätze haben, geben diese auch noch raus.

Wartelisten scheinen eher trostlose Positionen zu sein. Lasst euch also nicht vertrösten und geht notfalls von OSZ zu OSZ.

Und natürlich: wenn ihr Optionen seht, dass „eure“ Jugendliche den Weg zum Abitur einschlagen können, kämpft mit ihnen um einen Platz in der Regelklasse eines Gymnasiums!

Parallel versucht der Arbeitskreis Bildung des Flüchtlingsrats und das BBZ (vielleicht auch noch andere Akteure) die Thematik auf der politischen Ebene mit dem Senat zu verhandeln, Ergebnis offen.

Wenn’s Probleme gibt oder ihr keine Schulplatz findet, meldet euch bitte (s.speiser@encourage-ev.de).
Wir können keine Schulen schaffen aber zumindest die Fälle sammeln und damit Druck bei der Schulverwaltung machen.

 

Update 13.07.17!

Und es gibt doch noch einen Weg zu einem BQL Platz:
Es hat nicht an allen WK funktioniert, die Schüler und Schüler/innen entsprechend zu beraten, aber es gibt noch immer eine Chance – und hier die Schritte, die ihr gehen müsst und könnt, wenn eure Jungs noch keinen Schulplatz haben im neuen Schuljahr:
  1. An der Schule an der sie jetzt sind nach dem Berufs- und Studienorientierungsteam fragen. Wenn sie noch greifbar sind, sind sie zu einer Beratung verpflichtet und zum Ausfgüllen eines sogenannten Leitbogens, mit dem der / die Schüler/in angemeldet wird an einem BQL ihrer Wahl. Wenn sie nicht mehr greifbar sind, wegen baldigem Schuljahresende – siehe Schritt 2
  2. Die Aufgabe der Beratung und der Anmeldung ist der Job der Jugendberufsagenturen. Ihr habt die Möglichkeit mit dem Jungen/Mädchen zur Außenstelle der Jugendberufsagentur im Wohnbezirk des Jugendlichen selbst zu gehen und nach dem „Berater für berufliche Schulen“ zu suchen. Alternativ könnt ihr Herrn BECKER anschreiben: eals@senbjf.berlin.de oder henrik.becker@senbjf.berlin.de, der euch im betreffenden Bezirk einen Beratungstermin besorgt. Ihr könnt Hr. Becker auch anrufen: 030-902275976 oder alles unter https://www.eals-berlin.de – Kontakt per Kontaktformular. Herr Becker schien am Telefon wirklich engagiert und bereit in jedem Einzelfall den Beratungstermin zu vermitteln. Die Jugendberufsagentur füllt dann den Leitbogen aus und stellt die entsprechende Bewerbung für das BQL der Wahl ins Netz.
Herr Becker sicherte mir zu, dass alle Jugendlichen aufgenommen werden, zumindest auf eine Warteliste. Während der Ferien muss die Senatsverwaltung und die Schulen dann entscheiden, ob zusätzliche Klassen aufgemacht werden müssen oder ob man eine bestimmte Anzahl von Jugendlichen in eine andere Richtung und Schule berät.
Unter https://www.eals-berlin.de und wenn ihr Statistik anklickt (https://www.eals-berlin.de/statistik/) findet ihr alle OSZ mit der Anzahl der freien Plätze, der Bewerbungen und der schon vergebenen Plätze – dies ist sicher hilfreich für eine Orientierung. Man kann dortnach Berufsfeld und Schulen filtern. Als Berufsgang ist in den meisten Fällen empfehlenswert BQL anzugeben, weil es das Angebot ist mit der größten sprachlichen Zusatzunterstützung ist.

Update 10.08.17!

Und noch einmal zu den Schulplätzen 2017/18, vor allem denen in einem OSZ:

Sollten Schülerinnen und  Schüler ablehnende Bescheide zu Ihrer Anmeldung über das EALS erhalten, sind sie aber nach wie vor in EALS als suchend erfasst. Mittlerweile kann man in EALS auch einsehen, welche Schulen noch freie Kapazitäten haben: www.eals.berlin.de. Über das dortige Kontaktformular kann man auch alle noch offenen Fragen stellen.

Das Anmeldeverfahren für BQL ist übrigens bis zu den Herbstferien offen und zum Ende der Sommerferien wird SenBJF, falls dies nötig sein sollte, eine Nachbedarfsplanung erstellen.

Für den Fall, dass kein Platz am Wunsch-OSZ frei ist, noch einmal der Hinweis, dass BQL keine Festlegung auf einen Beruf darstellt, dieses Schuljahr kann also an jedem OSZ absolviert werden, unabhängig von der Berufsrichtung.

Solltet ihr unsicher sein, ob Euer Mündel oder Patenkind tatsächlich noch in EALS erfasst ist bzw. einen passenden Platz für BQL an einem OSZ erhält oder solltet ihr nach Alternativangeboten suchen, bitte wendet euch mit dem Jungen (oder Mädel) an die zuständige Jugendberufsagentur (https://www.jba-berlin.de/home/).

Auf jeden Fall sollten wir gemeinsam verhindern, dass geflüchtete Jugendliche ohne Schulplatz ins neue Schuljahr gehen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.