02 Apr

Masterarbeit: Das erleben Vormünder*Innen, die sich für junge Geflüchtete engagieren

Im Rahmen ihrer Masterarbeit hat sich Katrin Horns mit ehrenamtlichen Einzelvormünder*innen befasst. In Form von sechs qualitativen Interviews wurden Personen, die als ehrenamtliche Einzelvormünder*innen tätig sind oder waren, zu ihrer Motivation und ihrem Rollenverständnis befragt. Die Kurzfassung der Ergebnisse finden sich in diesem Beitrag, die Langfassung ist unterhalb ebenfalls verlinkt.

Vormundschaften für „unbegleitete minderjährige Geflüchtete“

Im Leben von „unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten“ spielen Vormünder*innen eine sehr zentrale Rolle. Eine Vormundschaft wird eingesetzt, wenn die eigentlich sorgeberechtigten Personen (in der Regel die Eltern) nicht tätig werden können. Bei „unbegleitete minderjährigen Geflüchteten“ ist dies der Fall, da sich die sorgeberechtigten Personen nicht in Deutschland aufhalten bzw. der Aufenthaltsort unbekannt ist.

Ehrenamtliche Einzelvormundschaft

Neben Amts- und Vereinsvormundschaften, gibt es die Möglichkeit, dass Privatpersonen ehrenamtlich eine Einzelvormundschaft für eine*n Jugendliche*n übernehmen. Diese Form der Vormundschaft stellt damit eine Besonderheit in der Arbeit mit „unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten“ dar. Die Betreuung durch eine ehrenamtliche Person kann für die Jugendlichen von sehr großer Bedeutung sein. Zwar sind sie im Rahmen der Jugendhilfe von professioneller Seite betreut, doch kann dies nicht den Kontakt mit einer ehrenamtlichen Person ersetzen. Anders als professionelle Fachkräfte sind Ehrenamtliche leichter, und unabhängig von Betreuungszeiten erreichbar. Die Kontaktgestaltung kann individueller erfolgen und die*der Jugendliche kann auch in das private Umfeld des*der Vormund*in mit einbezogen werden. Auch muss der Kontakt nicht zwangsläufig mit Ende der Vormundschaft (also bei Volljährigkeit des jungen Menschen) enden, wodurch diese längerfristig wichtige Unterstützung erhalten können.

Forschung

Im Rahmen meiner Masterarbeit habe ich mich mit ehrenamtlichen Einzelvormünder*innen befasst. In Form von sechs qualitativen Interviews habe ich Personen die als ehrenamtliche Einzelvormünder*innen tätig sind oder waren zu ihrer Motivation und ihrem Rollenverständnis befragt. Es wurden Fragen gestellt zur Motivation eine Vormundschaft ehrenamtlich zu übernehmen, zum Rollenverständnis und wie sich dies im Laufe der Vormundschaft verändert sowie dazu wie die Zusammenarbeit mit den Betreuer*innen der Jugendhilfeeinrichtung gestaltet wird. Ebenso wurde in den Blick genommen, welchen positiven Wert die Übernahme einer Vormundschaft auch für die Ehrenamtlichen haben kann.

Ergebnisse

Die Interviews haben die Vielseitigkeit der ehrenamtlichen Einzelvormundschaft verdeutlicht. Grundsätzlich gibt es nicht die eine Motivation, die die Ehrenamtlichen dazu bringt, eine Vormundschaft zu übernehmen, sondern mehrere Motive kommen dabei zusammen. Bei den Interviewen trat vor allem das Anliegen, sich für Geflüchtete zu engagieren und etwas in der Gesellschaft bewirken zu wollen hervor. Aber auch die Übernahme von Verantwortung oder auch der Wunsch etwas von der eigenen glücklichen Situation abzugeben war ein wichtiges Motiv einiger Befragten. Hinzu kommen christliche Grundwerte oder aber auch das eigene Wohlbefinden, das durch ehrenamtliche Tätigkeit gesteigert wird.

Die Befragten halten es für besonders wichtig, sich vor der Übernahme einer Vormundschaft zu informieren und zu Wissen, was auf sie zukommt. Offenheit wird als eine wichtige Voraussetzung benannt, da man nicht von vornehinein wissen kann, wie der*die Jugendliche letztendlich ist. Deutlich wird in diesem Zusammenhang auch, dass die Beziehung zwischen dem*der Vormund*in und dem Mündel sich erst entwickeln muss und dazu entsprechend Geduld mitgebracht werden muss.

Die Vormundschaft wird als aus zwei Aspekten bestehend bezeichnet: der juristischen Vertretung und der persönlichen Betreuung, wobei deutlich wird, dass die persönliche Betreuung im Laufe der Vormundschaft immer mehr an Bedeutung gewinnt und zwischen Vormund*in und Mündel eine sehr persönliche Beziehung entstehen kann.

Nicht nur für die Jugendlichen ist die Vormundschaft von besonderem Wert, sondern auch die Ehrenamtlichen profitieren von ihr, in dem sie vielfältige Lernerfahrungen machen können, sich persönlich weiterentwickeln können und aus der Beziehung zum Mündel viel ziehen können.

Nähre Ergebnisse können bei Interesse in der (etwas gekürzten) Vollversion der Masterarbeit eingesehen werden.

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