17 Sep

Erfahrungsbericht zur Passbeschaffung bei Afghanen

Quelle: Place4Refugees (https://www.facebook.com/place4refugees/)

Erfahrungsbericht: Ein junger afghanischer Mann mit einfacher Duldung wollte Ausbildungsduldung beantragen. Die Ausländerbehörde forderte ihn auf, dazu an seiner Passbeschaffung mitzuwirken, und innerhalb von 6 Monaten einen Pass vorzulegen. Nur so würde er eine Ausbildungsduldung erhalten können. Er sollte eine Bestätigung von der afghanischen Botschaft besorgen, dass er den Pass beantragt oder sich darum bemüht hat.
 Voraussetzung für eine Passbeantragung ist eine Tazkira (eine Art Personalausweis). Diese kann man in der Regel NUR im Heimatland besorgen. Das gelang dem jungen Mann. Den Pass konnte er am 29.8.2018 daraufhin ebenfalls in der afghanischen Botschaft in Berlin beantragen. Hier die Schritte [Anmerkungen in eckigen Klammern]:


1. Beschaffung Tazkira:
 Seine Eltern im Iran beauftragten einen Verwandten in Afghanistan, die Tazkira zu besorgen [die Tazkira kriegt man NUR in Afghanistan]. Der Verwandte besorgte die Tazkira (ohne englische Übersetzung, ausgefertigt in Afghanistan, die bräuchte man aber eigentlich auch) und brachte sie in den Iran. Von da wurde sie nach Deutschland zum Sohn geschickt.

Die Tazkira hat auf diesem Weg 500€ gekostet.

Der junge Mann hatte zuvor Anwälte, die auf der Seite des Auswärtigen Amtes stehen, angeschrieben. Von lediglich einem bekam er Antwort. Er hätte im Vorhinein 1000€ bezahlen sollen und bei der Botschaft eine Vollmacht für die Tazkira ausfüllen, dann alle Unterlagen schicken (also auch eine Tazkira des Vaters oder Opas etc), und dann hätte der Anwalt die Tazkira in Afghanistan beantragt und nach Deutschland geschickt. 
Am Ende war der andere Weg leichter. Der junge Mann war sich aber bis zum Ende nicht sicher, ob er eine „echte“ Tazkira bekommen würde, also keine Fälschung.

2. Passbeantragung bei der afghanischen Botschaft in Berlin:
 Die Tazkira kam relativ schnell per Post in Deutschland an.  Aufgrund der Frist für die Ausbildungsduldung musste er jetzt schnell den Pass beantragen und ist ohne Termin hin (auf der Seite steht ausdrücklich man darf für Pass-Angelegenheiten nur mit Termin kommen). 
Wir waren 8:30 Uhr da [der Mann wurde von einer deutschen Helferin begleitet], das war super. Um 9 durften wir rein, es waren nicht so viele Leute, die gewartet haben. 
Der Security Mann meinte, ohne Übersetzung der Tazkira aus Afghanistan könnte man keinen Pass beantragen. Die Übersetzung MÜSSE mit Stempel von dort kommen. Wir sind trotzdem rein. Dort ist ein Mitarbeiter nur für Pass-Angelegenheiten zuständig. 
Dieser meinte erst, er benötige die Übersetzung. Dann zeigte mein Bekannter aber die Bestätigung, dass er schonmal vorgesprochen hatte. Damals heiß es, nur die Tazkira selbst würde benötigt. Daraufhin wollte der Botschafts-Mann nachfragen. 1 Stunde später meinte er dann, der junge Mann solle ihm die Unterlagen in Kopie geben.

Mein Bekannter gab ihm alle Unterlagen:
 2 Passbilder, Antrag ausgefüllt und Kopie Tazkira. Dann musste er kurze Zeit später noch 120€ bezahlen. 
Es hieß dann, in ca. 3 Monaten wäre der Pass fertig. Er bekam dann noch auf Nachfrage eine Bestätigung, dass der Pass beantragt ist [Wichtiger Nachweis für die Ausländebehörde!].
Vielleicht hatten wir nur Glück, aber letzlich ging alles ohne Termin und ohne Übersetzung relativ unkompliziert. Man muss etwas hartnäckig sein und Argumente haben…
 Es war alles irgendwie undurchsichtig und chaotisch aber hat funktioniert.

Für Afghanen ist die Lage anders als bei den Syrern, die (da direkt vom Staat verfolgt), keinesfalls einen Fuß in ihre Botschaft setzen sollten, um ihren Status nicht zu gefährden, Hier muss man bei der Passbeschaffung abwägen.

Pro Asyl hat hierzu einen informativen Beitrag geschrieben: „Hinweise für afghanische Flüchtlinge und ihre Berater*innen“ (im April 2018 aktualisiert)
https://www.proasyl.de/…/hinweise-fuer-afghanische-fluecht…/
Darin heißt es, „Viele Afghan*innen befürchten, dass sie leichter abgeschoben werden können, wenn sie eine Tazkira oder einen Pass vorlegen und zögern. Durch das Rückführungsabkommen mit Afghanistan kann Deutschland aber auch Afghanen abschieben, deren Identität nicht mit einer Tazkira oder einem Pass belegt ist. Ganz im Gegenteil kann also die Verweigerung der Mitwirkung an der Identitätsklärung das Risiko einer Abschiebung erhöhen. Auf Dari lässt sich das hier nachlesen. Die Passbeschaffung kann auch hilfreich sein, den Aufenthalt zu sichern, zum Beispiel wenn eine Ausbildung angestrebt wird.
Im Umkehrschluss bedeutet dies aktuell: Wer keine Straftaten begangen hat, kein Gefährder ist und seinen Mitwirkungspflichten nachkommt, wird nicht abgeschoben!“

Es wird aber auch darauf hingewiesen, dass neue Erkenntnisse aus dem Lagebericht des Auswärtigen Amtes aus Mai 2018 noch nicht wieder in den Beitrag und die Einschätzung eingeflossen sind.

Seite der afghanischen Botschaft:
http://botschaft-afghanistan.de/

Hier kann man selbst (via Facebook!) seinen aktuellen Pass-Status checken – da stehen offen Namen und Antragsdaten:
https://www.facebook.com/AfghanConsularServicesInBerlin

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