06 Nov

BUMF-Forderungen an Jamaika: Wer Zukunft will, muss auch jugendliche Geflüchtete schützen, Teil 2

Schutz und Teilhabe von minderjährigen Flüchtlingen

Forderungen des Bundesfachverband unbegleitete minderjährige Flüchtlinge e.V. (Bundesfachverband umF) zum Asyl – und Aufenthaltsrecht anlässlich der Koalitionsverhandlungen .

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03 Nov

Informationssammlung Altersschätzung

Minderjährigen Geflüchteten steht ein besonderer Schutz zu. Die Verwaltungen überprüfen, ob sie Jugendliche als minderjährig anerkennen oder nicht. Das Verfahren heißt „qualifizierte Inaugenscheinnahme“ und steht in juristischen wie ehrenamtlichen Kreisen in der Kritik. Wer von der Verwaltung volljährig geschätzt werden, kann nur gegen den Bescheid klagen – ohne aufschiebende Wirkung, ohne Prozesskostenhilfe, ohne Kulturmittler, der das Prozedere erklärt.

Nachfolgend findet sich eine Informationssammlung zum Thema für Ehrenamtliche, die sich in die Hintergründe einlesen möchten.

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14 Okt

B-umF: Stellungnahme zur Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS)

„Die Mitgliedstaaten der Europäischen Union verhandeln aktuell über eine Reform des Gemeinsamen Europäischen Asylsystems (GEAS). Dabei sind grundlegende Änderungen der bisherigen Verordnungen und Richtlinien zu erwarten. Seit der ursprünglichen Veröffentlichung der Reformpläne im Frühjahr 2016 haben mittlerweile der Rat und das Europäische Parlament an einigen Stellen Änderungen eingebracht. Die Vorschläge der EU-Kommission zielen vor allem darauf ab, die Weiterwanderung von Asylsuchenden innerhalb der EU zu verhindern (sog. Sekundärmigration), so dass Asylsuchende im Staat ihrer Erstzuständigkeit verbleiben sollen. Nach Ansicht der Kommission ist die Sekundärmigration einer der Hauptgründe für die Krise des Dubliner Systems und den Streit zwischen den EU-Mitgliedstaaten über die gemeinsame Flüchtlings-und Asylpolitik. Die Reformvorschläge wurden bereits durch ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, scharf kritisiert.

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15 Sep

Offener Brief: Medizinische Altersschätzungen abschaffen!

Sehr geehrte Senatorin für Bildung, Jugend und Familie des Landes Berlin, Frau Scheeres,

die Beantwortung der aktuellen Kleinen Anfrage zu Altersschätzungen bei minderjährigen Ausländern hat in Helferkreisen nur noch zwei Dinge ausgelöst: Ungläubigkeit und Empörung. Das einzige, was sich aus unserer Sicht bei diesem Thema in den letzten beiden Jahren verbessert hat, sind die Textbausteine der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie.

Die Antworten stehen komplett konträr zu dem, was Beratungsstellen tagtäglich in der Praxis erleben. Fakt ist, dass Jugendliche, die sich gegen eine Volljährigkeit als Ergebnis der sogenannten qualifizierten Inaugenscheinnahme wehren (und nicht nur die), nach wie vor obdachlos werden, so sensibel ist die Überleitung ins Erwachsenensystem. Auch der erlebte zwischenmenschliche Umgang mit den betroffenen Jugendlichen steht im krassen Kontrast zu den scheinbar wertschätzenden Worten in dieser Kleinen Anfrage. Auch der Charité fehlt es an Einfühlungsvermögen: Zuletzt wurde ein Jugendlicher bei einer medizinischen Begutachtung zu seinem Alter solange bedrängt, sich vollständig auszuziehen, bis er angefangen hat zu weinen. Diese sehr sichtbare Angst des Jugendlichen hat das Personal vor Ort in keinster Weise irritiert. Vielmehr wurde der weiter bestehende Widerstand des Jugendlichen zum Anlass genommen, den begleitenden Ehrenamtlichen damit zu drohen, dass man ihnen die verweigerte Untersuchung in Rechnung stellen würde. Die Drohung darf durchaus vor dem Hintergrund betrachtet werden, dass die Termine mit Röntgen- und Zahnuntersuchung sowie körperlicher Begutachtung der Charité pro Fall vierstellige Beträge einbringen. Nur für was?

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10 Apr

Verkauft: Wie wir dabei sind, die Zukunft der jungen Geflüchteten in Berlin zu verspielen

Heute ging die Meldung durch die Presse, dass sich minderjährige und junge volljährige Geflüchtete prostituieren. Wer wissen möchte, warum, muss mehr tun, als ein paar betroffene Fragen an Jugendliche zu stellen, die selbst die Antwort nicht wissen. Wobei der Umstand, dass die Betroffenen ihre Lage schon falsch verstehen, deutlich auf das eigentliche Problem aufmerksam macht: Sämtliche „Sicherungssysteme“ für Geflüchtete, insbesondere für die Jüngeren, verdienen ihren Namen nicht. Sie sind langsamer als langsam, viel zu kompliziert und haben so große Löcher, dass man sie beim besten Willen nicht mehr als Netz bezeichnen kann.

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01 Jun

In Augenschein genommen

Die Redaktion erreichen immer mehr Berichte von Ehrenamtlichen, die die traurigen Erlebnisse, die sie mit den von ihnen begleiteten Minderjährigen machen mussten, öffentlich machen wollen. Um die Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen zu schützen, geben wir ihnen und ihren unterstützenden Ehrenamtlichen neue Namen* und verändern auch die Städte**, in die die Kinder und Jugendlichen umverteilt werden.

Autor: Henrike Dujardin*

Die fünf unbegleiteten jugendlichen Flüchtlinge, die im Wartebereich der Clearingstelle in der Wupperstraße sitzen, sehen hilflos aus. Sie strahlen die seltsame Mischung aus übermäßigem Ernst und jugendlicher Unbeholfenheit aus, die so viele der jungen Flüchtlinge kennzeichnet. Sie kommen aus verschiedenen Regionen der Welt. Der Junge aus Asien misst vielleicht 1,50 m, er ist schmal und trägt kindliche Gesichtszüge. Die beiden Jungen aus Afghanistan sind etwas größer, ihr Blick ist ernst. Die beiden afrikanischen Jugendlichen – sie kennen einander nicht – sind groß und schlank, auch sie wirken ernst.

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24 Mai

Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Berliner Behörden-Roulette

Die Redaktion erreichen immer mehr Berichte von Ehrenamtlichen, die die traurigen Erlebnisse, die sie mit den von ihnen begleiteten Minderjährigen machen mussten, öffentlich machen wollen. Um die Privatsphäre der Kinder und Jugendlichen zu schützen, geben wir ihnen und ihren unterstützenden Ehrenamtlichen neue Namen* und verändern auch die Städte**, in die die Kinder und Jugendlichen umverteilt werden. Auch Joels* Name ist von der Redaktion geändert worden.

Autor: Henrike Dujardin*

Nach unserer Einschätzung sind Sie volljährig

So steht es auf dem Bescheid der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und  Wissenschaft, der meinem Schützling Ende Februar 2016 nach zwei Anhörungen in der EAC Wupperstraße ausgehändigt wurde – in deutscher Sprache. Man hat ihm ein fiktives Geburtsdatum gegeben, ihn ein Jahr und elf Monate älter gemacht.
Mein Schützling Joel*, den ich seit Oktober 2015 ehrenamtlich betreue und für den ich die Vormundschaft beantragt habe, kommt aus Guinea. Nach dortigem Recht wäre er erst mit 21 Jahren, im Januar 2020, volljährig.

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