Von der Ankunft bis zur Vormundschaft

Ein Vormundschaftsantrag kann gestellt werden,  sobald ein Minderjähriger bei der Senatsverwaltung registriert ist. Die Registrierung findet in der Regel in der Erstaufnahme- und Clearingstelle (EAC) in der Wupperstraße 17, 14167 Berlin statt.  Danach werden einige Jugendliche vor Ort untergebracht, andere innerhalb eines „ambulanten Clearings“ in sogenannte Clearinghäuser überstellt. Das sind Heime oder Hostels, die von oft gemeinnützigen Trägern für die Unterbringung genutzt werden. Die Kinder und Jugendlichen bekommen ein Dach über den Kopf in Form einer Unterbringung in einem Mehrbettzimmer sowie Essen und Kleidung.

Verlauf bis zur Bestallung

 

Sehr wichtig: Nachweis über den Geburtstag

In einem zweiten Gespräch bei der Senatsverwaltung wird das Alter der Jugendlichen festgestellt. Die Zeit bis zu diesem Termin kann lang werden: Jugendliche, die etwa im Herbst 2015 in Berlin ankamen, wurden erst im Mai 2016 zum Termin eingeladen. Das Gespräch wird von zwei bis drei Personen geführt, die darüber entscheiden, ob die Minderjährigkeit des Jugendlichen anerkannt wird. Kinder und Jugendliche sollten unbedingt jedes Ausweispapier oder andere, das Alter nachweisende Unterlagen mitbringen. Syrische Kinder haben mit Glück Pässe bzw. Ausweise. Afghanische Jugendliche können mit noch mehr Glück eine Tazkira, eine Art afghanischer Geburtsnachweis mit Geburtsdatum oder Geburtsjahr, vorweisen. Für viele Kinder und Jugendliche ist es fast unmöglich, ihr Alter mit Ausweispapieren nachzuweisen. Dennoch sollten Betreuer sie mehrfach und initiativ auf die Wichtigkeit der Dokumente hinweisen, die in der Berliner Tagesrealität den Unterschied zwischen voll- und minderjährig machen können. Initiative seitens der Betreuer ist auch wichtig, um Falschinformationen hinsichtlich der Ausweisdokumente bei den Jugendlichen auszuräumen, mit denen sie oft bereits in Deutschland ankommen.

 

Recht auf Begleitung

Die Kinder und Jugendlichen können von einem Betreuer, dem angehenden oder bestätigten Vormund oder einem Freund begleitet werden, sofern sie diesen Wunsch ausdrücklich und selbst  (nachdrücklich) vor dem Gespräch äußern. (Siehe auch: Recht auf Begleitung, Sozialgesetzbuch) Aus der Erfahrung empfehlen wir, Jugendliche grundsätzlich zu allen Gesprächen zu begleiten. Das verringert die Nervosität bei den Jugendlichen vorher, sorgt für einen Zeugen für die Gesprächsinhalte und hilft, Fragen im Nachgang valide beantworten zu können. Oft stehen die Jugendlichen während des Gesprächs unter solchem Druck, dass sie sich die Inhalte  trotz Dolmetschers im Nachhinein nicht mehr vergegenwärtigen können. Gibt es unterschiedliche Meinungen zur Entscheidung der Senatsverwaltung, ist ein Zeuge ebenfalls hilfreich.

Ob ein Jugendlicher minderjährig oder volljährig geschätzt wird, hat entscheidende asyl- und aufenthaltsrechtliche Konsequenzen.

Was muss ich beim Antrag auf Vormundschaft und bei der Anhörung vor Gericht beachten?

Wie geht es nach der Bestallung weiter?