Vormünder-Wiki

Dieses Wiki befindet sich im Aufbau! Ergänzungen bitte sehr gerne an: post@encourage-ev.de

 

Clearingstelle / Ankunft

Wird eine Person in Deutschland aufgegriffen, die angibt, minderjährig zu sein, ist die Polizei verpflichtet, die Person dem Jugendamt zu übergeben. Die Polizei ist nicht befugt, das Alter zu schätzen, das obliegt der Jugendhilfe. Mit Vorsicht zu genießen sind standmäßig vergebene Geburtsdaten wie 1. Januar oder typische aktuelle Jahreszahldreher wie 1989/98, die aus Sprachhindernissen heraus entstehen. Teilweise werden die Geburten schon in den Herkunftsländern nur jährlich registriert, teilweise liegen gar keine Geburtsdokumente vor. Etwa in Afghanistan werden oft keine Geburtsurkunden mehr ausgestellt, teilweise verfügt der Vater aber über das Abstammungsdokument „Tazkira“. Häufig gehen Dokumente auf der Flucht verloren. Die meisten UMFs sind männlich, da Mädchen und auch Frauen aus typischen Fluchtländern größtenteils nicht alleine reisen und fliehen können, ohne aufzufallen.

 

Inobhutnahme

Das Jugendamt nimmt Personen, die minderjähring wirken oder sich als solche zu erkennen geben, in Obhut. Damit haben die gleichen Rechte wie jedes andere Kind in Deutschland auch. Das Jugendamt ist nicht an Alterseinschätzungen anderer Länder gebunden.

 

 

Ambulantes Clearing

Die bestehenden Strukturen in den Jugendämtern Berlins waren im vergangenen Jahr nicht in der Lage, ankommende Jugendliche schnell zu untersuchen und deren Alter zu schätzen. Deshalb hat man sie zunächst nur registriert und in ambulante Clearinghäuser untergebracht, wo sie mit Kleidung, Essen und ggf. medizinischer Betreuung versorgt werden. Die Jugendlichen warten teilweise viele Monate auf ihr Klärungsgespräch. Vom Gespräch bei der Senatsverwaltung (sozusagen dem Landesjugendamt Berlins) hängt viel ab: Werden sie minderjährig eingestuft, dürfen sie in Deutschland einen Asylantrag stellen und werden von einem anschließend zugewiesenen Berliner Bezirksjugendamt regulär versorgt. Erklärt die Senatsverwaltung die Jugendlichen für volljährig oder geben sie das Alter selbst an, werden sie asylrechtlich nach Dublin-Verfahren behandelt und können für die Zeit ihrer aufenthaltsrechtlichen Klärung innerhalb von Deutschland verteilt werden. Die Verteilung innerhalb von Deutschland ist für Jugendliche, die sich bereits seit Monaten in Berlin aufhalten und einen Freundeskreis aufgebaut haben, teilweise nicht leicht auszuhalten. Eine asylrechtliche Behandlung nach Dublin kann bedeuten, dass Deutschland die Bearbeitung des Asylantrags ablehnt, weil Ersteinreisestaaten wie Ungarn oder Griechenland zuständig sind und die Geflüchteten in die Länder zurückbringen.

Die Clearingphase ist erst abgeschlossen, wenn

  • Alter, Herkunft und Reiseumstände belegt sind
  • Die Jugendlichen geimpft sind und ein CBT-Röntgen gemacht wurde
  • Die Jugendlichen in eine Willkommensklasse oder Schule gehen
  • Ein Anamnesebogen ausgefüllt ist
  • Die Eltern zugestimmt haben, dass das Kind in Deutschland bleibt
  • eine sozialpädagogische Einschätzung getroffen wurde

 

Antrag auf Asyl

Der Antrag auf Asyl wird immer beim BAMF – Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (www.bamf.de) gestellt. Unbegleitete minderjährige Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, Eritriea, Irak und Somalia haben wohl sehr gute Anerkennungsquoten (Stand: März 2016). Aktuelle Informationen hierzu hat der Bundesfachverband Unbegleitete Minderjährige Flüchtlinge e.V. (www.b-umf.de), der auch speziell zugeschnittene Rechtseminare für angehende Vormünder anbietet. Gute Beratung für situative Notfälle liefert die Organisation ProAsyl (https://www.proasyl.de).

Die Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, vor jedem Asylantrag eine kurze Erstberatung bei einem spezialisierten Anwalt zu suchen. Hintergrund sind die sehr individuellen Vor- und Fluchtgeschichten, die im Hinblick auf das Asylrecht eingeschätzt werden müssen (Anwälte, die wir empfehlen).

Der Asylantrag für Minderjährige wird schriftlich vom Vormund gestellt. Das BAMF hat dazu eine Vorlage veröffentlicht.

Hier gibt es Beratungen und Informationen im Vorfeld der Anhörung, die es sich unbedingt empfiehlt, wahrzunehmen:

Beratungsstellen:

 

Antrag auf Familienzusammenführung

Informationen folgen.

 

Visum der Familie

Informationen folgen.

 

Bankkonto

Jeder in Europa Reisende hat Anspruch auf ein Konto. In der Praxis bekommt man es bei Sparkasse und GLS, bei der Postbank für ab 18-Jährige. Die Volksbank richtet nach unserem Wissenstand keine Konten ein.